
Ist die Teilnahme an Ratssitzungen gesundheitsgefährdend? Oder: Wie kann man Plattheiten noch tiefer legen?
Immer noch umstritten ist die Frage, ob man der (normalen) Löhner Bevölkerung die Teilnahme an einer Ratssitzung zur Pflicht machen sollte, oder ob der Besucherbalkon besser verschlossen bleiben sollte. Die Antwort dürfte - je nach beruflichem Interesse - sehr unterschiedlich ausfallen. Der Medizinmann wird wegen des unerheblichen Risikos an Magengeschwüren abraten, der engagierte Politiklehrer hätte sicher Angst, seinen Zöglingen könnte die mühsam aufgebaute Begeisterung für die Tätigkeit der demokratischen Institutionen abhanden kommen, während jeder Kabarettist als Tribünenzeuge diesen Ort als einen munter sprudelnden Quell originellster Anregungen wertschätzen muss. -
So war's auch wieder
bei der jüngsten Zusammenkunft der Stadtmütter und -väter in dem - in
mildes Abendlicht getauchten - Ratssaale des Kachelbaues an den Gestaden
der Werre.
Allen voran gab sich der Sitzungsleiter Werner H. die äußerste Mühe,
alles jenes zu verhindern, was in diesem erlauchten Gremium an eine
offene und faire Diskussion von Pro und Kontra, an einen demokratischen
Meinungsaustausch erinnern könnte:
Der Erfinder der des Doppel-Maulkorberlasses begeisterte seine Fans
in SPD/CDU mal wieder mit einer höchst kreativen Interpretation der
Geschäftsordnung, die sich auf zwei feste Ecksteine gründet:
§ 1 Zustimmende Äußerungen und Kommentierungen von SPD/CDU sowie der bunten PDS zu den abgesonderten Weisheiten und Selbstbeweihräucherungen der Verwaltung sind jederzeit - und ohne zeitliche Begrenzung - herzlich willkommen.
§ 2 Das theoretisch laut offizieller GeschO zwar vorhandene Rederecht der LBA-Ratsmitglieder wird - je nach unerfindlicher und wechselhafter Stimmungslage des Stadtoberhauptes - übersehen, gestutzt, beschnitten oder rechtswidrig völlig unterdrückt. Proteste dagegen werden mit strengem Zeigefinger gerügt ("Kritische Nachfragen??? Das ham'wa ja noch nie gemacht! Da könnte ja jeder kommen! Da könn'se später noch was zu sagen!")
Einen neuen diesbezüglichen Gipfelpunkte erklomm
der (Rederechts-)Ab-Würgermeister Werner H. sodann:
Bis zur Oberkante / Unterlippe vollgesaugt vom heißen Wunsche, seinen
willigen Helfer, den papagei-bunten PDS-Ulli nach allen Regeln der politischen
Schleim- und Molkeproduktion zu hofieren und in diesen schweren finanzpolitischen
Zeiten noch enger an sich zu kleben / leimen...
(Motto: Kleine Gegengeschenke vertiefen die Freundschaft
- Denn nach der freundlichen Vorsprache der SPD im März 2003 und kurzer
Gegenwehr der weiß-gräulichen [Originalton: "Mir graut's."] Bunten-Hedwig
- hatte sich die in Löhne vielfarbig verkleidete PDS in den "Iden des
März" dann doch noch Hamels abgesoffenem Pleite-Haushalt zustimmend
zugewandt. Gemeinsam dabei auch gegen den LBA-Vorschlag zum Personalabbau
im Rathaus - immerhin steht die Gattin des bunten Vorsitzenden auch
auf Werners Gehaltsliste.) ...,
führte Dompteur Werner mit seinen beiden Tanzbären SPD und
CDU
dem erstaunten Publikum mal wieder ein neues Kunststückchen vor:
Wenige Minuten, nachdem der gesamte Rat zum X-ten Male in Richtung €-Millionen
der Bundesregierung einen flammenden Appell abließ ...
"Auf, auf zum Kampf, zum Kampf sind wir geboren."
Auf, auf zum Kampf, zum Kampf sind wir bereit.
Der Wolfgang Spanier, der hat sie uns geschworen.
Dem Wolfgang Spanier reichen wir die Hand!"
[Geschehen bei einem dezenten, aber durchaus pressewirksamen
Termin im Rathause während des Bundestagswahlk(r)ampfes für Gerd Schröder]
... ging ein zweiter Appell, in der gleichen Sitzung, mit dem gleichen
Tenor, in die gleiche Richtung:
Gegen die Stimmen der ("penetrant uneinsichtigen") LBA wurde in der
Ratssitzung ein Antrag der Bunten Liste zur Beteiligung der Stadt an
der Aktion "Rettet die Kommunen" beschlossen.
Kosten: einige Tausende Euros vom Steuerzahler.
Effekt: kleines Konjunkturprogramm für die heimischen Druckereien.
Die Kommunen können demnach vorgegebene Plakate, Flugzettel (Neudeutsch: "Flyer2), Spruchbänder, Flaggen und Transparente gegen Barzahlung ordern und während eines "Aktionstages" oder gar einer ganzen "Aktionswoche" [Warum stand kein ganzer Aktionsmonat oder gar ein Aktionsjahr zur Debatte???] nutzen.
Wie SPD/CDU feste glauben, sind diese Zettel und Werbemittel von einer
solch hochgradigen propagandistischen Durchschlagskraft,
dass
selbige sogar die beiden Genossen Schröder und Spanier an ihre alten
Versprechen erinnern können und - alsbald - mit reichem Geldsegen in
Löhne zu rechnen ist.
Spätestens dann wird der sozialdemokratische Kämmerer - mit Blick
aufs Euro-Konto - das alte Arbeiterlied anstimmen:
"Seht, wie der Zug der Millionen
endlos aus Nächtigem quillt,
bis eurer Sehnsucht Verlangen Himmel und Nacht überschwillt!"
Gerd Krahe, langjähriger Genosse, erfolgreicher Hauptschulpädagoge und taktisch versierter SPD-Fraktionsvorsitzender, gab Schützenhilfe für den Antrag des bunten Ullis:
"Was dann konkret gemacht wird, möchten wir aber selbst entscheiden. Hauptsache das investierte Geld wird bald wieder eingespielt."
Die Barre-CDU unter Federführung von "Don Ernesto"
sprach sich selbstverständlich für den PDS-Antrag aus, hatte doch Werner
H. seinem Tekenbruder Köstring kurz zuvor durch ein diskretes Handzeichen
die (Zustimmungs-)Richtung signalisiert. -
Dagegen: Nur die böse LBA.
Zur Strafe wurde sie dann auch prompt von der - an die Ratssitzung anschließenden
- launigen Schmause-Runde mit reich belegten Schnittchen und frisch
gezapftem Barre - ausgeschlossen: "Die gehören nicht zu uns! Mit denen
wollen wir nicht saufen!"
Ulrich
Adler hingegen, von der ganz bunten Liste kam richtig in Fahrt, wollte
am liebsten einen noch weitergehenden Antrag stellen und konnte nur
knapp von seinem sozialistischen Duzbruder Werner gezügelt werden. Weit
über den wilden Wolken des warmen Werretales forderte der König der
Lüfte eine Sonder-Rats-Sitzung zur finanziellen Situation der deutschen
Gemeinden. Eingeladen - so Adler - sollte dazu ein Vertreter des Städte-
und Gemeindebundes, vor allem der VERDI-Chef Brziske und am liebsten
noch ein verrenteter Chef-Volkswirt aus dem Arbeiter-und-Mauern-Paradies,
dem verflossenen Musterländle DDR, wo bekanntlich doch alles deutlich
besser war.
Der Polit-Profi könne sich auch ganz besondere Aktionen vorstellen:
"Die Bürger müssen auf die Barrikaden. Da könnte die Löhner Feuerwehr
eine Demonstration organisieren und mit Schiebeleitern und Wasserspritzen
für eine neue Hauptwache demonstrieren."
Ein ungehaltener Zwischenrufer monierte, dass Adler ausgerechnet
heute auf seinen sonst üblichen Aufruf zu Machtergreifung des Proletariats
und zur sozialistischen Weltrevolution leichtfertig verzichtete. Dies
hätte der Sache doch noch den gewissen Pepp gegeben, die Berliner Prominenz
fraglos mächtig beeindruckt.
Bürgermeister Werner Hamel griff (Wen wundert's?) Adlers Forderung
auf: "Wenn es besonders öffentlichkeitswirksam sein soll, dann sollte
es natürlich eine seperate Veranstaltung zu diesem Thema geben. Darüber
müssen wir reden."
Aus gewöhnlich gut informierter Quelle kommt nun die Information: Abwürgermeister Hamel, PDS-Adler und Don Ernesto wollen sich mit den Löhner Wirtschaftsbetrieben (WBL) in Verbindung setzen:
Ziel:
In einer bundesweit einmaligen Aktion sollen Wasserwerk, Klärwerk und die städtische Feuerwehr dann sämtliche Löhner Gewässer und Rinnsale absperren ...
(also die Werre, alle Bäche und Vorfluter und natürlich auch - Werners Spezialität - den "braunen Kanal" --- jedoch nicht die Leitungen in der Profi-Zapfanlage des städtisch-standesamtlichen Fetenkellers)
... um Kanzler Schröder öffentlichkeitswirksam unter massiven Druck zu setzen.
Geöffnet werden die Löhner Schleusen erst dann, wenn Bundeskanzler Gerd Schröder - versehen mit seinen legendären Flut-Gummi-Stiefeln - höchstpersönlich nach Löhne geeilt ist, um auf der schwankenden / schlingernden Heinrich-Schneider-Brücke dem Deichhauptmann Werner Hamel den "80-Millionen-Euro-Scheck" zur Sanierung des magischen Löhner Schuldenkraters in die mannhafte Proletarier-Faust zu drücken.
Keine Minute früher - und keine Minute später!
Das walte der bunte Ulli!

