
PSYCHOTHERAPIE
durch FISCHBAUCHBRÜCKE=
ganz neue, fraglos bahnbrechende Methode der psychotherapeutischen Krisenintervention. Diese wurde in Löhne vom Leiter des städtischen Planungs- und Bauordnungsamtes Dipl.-Ing. Wolfgang Helten (SPD) entwickelt und dem staunenden Publikum in der Ratssitzung vom 14. Dezember 2005 präsentiert. Nach ausgiebiger klinischer Anamnese kam „Doktor“ Helten nicht umhin, bei den Bürgern der Werrestadt ein „markantes Defizit im Bereich kollektiver Identitätsfindung“ zu konstatieren.
Die klassische, traditionelle Vorgehensweise, also die Unterbringung der Löhner Bevölkerung in geeigneten Heilanstalten schied mit Blick auf die große Patientenzahl und angesichts der finanziellen Probleme von Ulla Schmidts Gesundheitssystem von vornherein aus; also keine langwierigen Aufenthalte auf der Freud’schen Ledercouch, keine aufwendigen Schrei-Therapien oder Gesprächssitzungen, keine identitätsstiftende Arbeit mit Handschmeichlern.
Nach
Wochen des Grübelns und des Forschens kam das Ergebnis: Seelen-Klempner
Helten ist nicht nur zur kompetenten medizinischen Fallanalyse befähigt,
sondern glücklicherweise auch in der Lage, ein geeignetes Therapeutikum
zur wirkungsvollen Behandlung der Erkrankten zu verordnen:
Seine überraschende Antwort auf die lokale psychische Epidemie:
“Der heilsame Balsam für die deformierten Löhner
Seelen besteht aus Stahl und Beton und hat die äußere Form
einer gewaltigen, die Werre überspannenden Fischbauchbrücke.“
Diese Brücke - und nur genau diese - ist in der Lage, die tiefe innere Spaltung zu überwinden, deren Keim sich bereits 1811 in die heimischen Gemüter senkte. Ausgelöst wurde die Krankheit, als Napoleon die Werre zur Staatsgrenze bestimmte, als er Löhnes Norden dem Kaiserreich Frankreich zuordnete, dem Königreich Westfalen hingegen den Süden zuschlug.
Hier setzt Doktor Heltens Behandlung an: Grenzen überwinden, Yin und Yang versöhnen, das nördliche Ufer mit dem südlichen augenfällig durch „einen städtebaulichen Schwerpunkt“ verschwistern, die zerrissenen Löhner Seelenanteile behutsam - aber kraftvoll und rostfrei - zueinander fügen.

Der
besondere Reiz dieser Kur liegt darin, dass sie überdies auch in
der Lage ist, der Identitätsfindung und dem Selbstbewusstsein des
ersten Bürgers der Stadt kräftig aufzuhelfen: Bürgermeister
Quernheims Ruhm, in Stahlbeton gegossen, kann so augenfällig für
zukünftige Generationen verewigt werden.
Da ist auch der CDU, die sich ansonsten eine geradezu lippische Sparsamkeit
aufs Panier bzw. in das nun schon etwas verblichene Wahlkampfpapier
geschrieben hat, auch das Allerbeste nicht zu teuer:
Schlappe 800.000 € wird das heilsame Brücken-Bauwerk
- nach vorsichtigen Schätzungen - kosten. –
Legt man die anteileigen Pro-Kopf-Kosten auf alle 42.000 B&u???????cuml;rger
und ihren Bürgermeister um, wird man unschwer feststellen müssen,
dass für dies kleine Geld kein Psychiater der Welt auch nur eine
einfache Spinnen-Phobie bekämpfen könnte.
Risiken und Nebenwirkungen: Die bemerkenswerten
Kosten werden wohl sämtliche Versuche, dem maroden städtischen
Haushalte wiederaufzuhelfen, zunichte machen. Deshalb wird es wohl nötig
sein, bei der Sport- und Vereinsförderung in Löhne zukünftig
gewisse Abstriche zu machen.

